Wie riskant sind zyklische Aktien? Aktuelles Beispiel Daimler

Liebe Anlegerinnen und Anleger,

über Langeweile können sich weder die Anleger noch die Fußballfans beschweren.
Mit dazu beigetragen hat natürlich die Gewinnwarnung von Daimler, obwohl diese für die Anhänger der Charttechnik gar keine große Überraschung war.
Ganz im Gegenteil hat die relative Schwäche der Autohersteller diese sogar vor Monaten als ideale Kandidaten für die Short-Liste qualifiziert. Denn fast immer gibt es einen Grund, falls eine Aktie oder ein Sektor in einem positiven Umfeld deutlich hinterherhinkt.
Wegen der großen Zuverlässigkeit der Analysetechnik „Relative Stärke“ ist sie eine der zentralen Stützen meiner Dienstleistungen, egal ob Premium Börsenbrief oder Anlageberatung.
Kürzlich meldete Daimler, wegen des eskalierenden Handelsstreits bzw. dem drohenden Handelskrieg in diesem Jahr ein geringeres Konzernergebnis und kein wie vorhergesagt höheres zu erreichen.
Der Handelskrieg wird jetzt wie befürchtet zu einem Konjunkturkiller, von dem insbesondere die sehr stark exportabhängige deutsche Wirtschaft betroffen ist. Die Reduzierung des geschätzten  Wirtschaftswachstums durch einige Institute ist ganz gewiss kein Zufall und ein Warnschuss für den DAX. Bitte bedenken Sie, dass Aktienkurse und Indizes die unangenehme Eigenschaft haben, meist auf dem Höhepunkt der Konjunktur plötzlich und unerwartet den Weg nach Süden einschlagen. Und den Scheitelpunkt der Konjunktur haben wir mit einiger Sicherheit bereits erlebt.
Ganz besonders betroffen davon sind zyklische Aktien, z.B. der Maschinenbau, traditionell auch Technologie und auf jeden Fall der Automobilsektor.

Was sind zyklische Aktien?

Zyklische Aktien zeichnen sich dadurch aus, dass deren Gewinne sehr stark von der Konjunktur einer Branche oder einer ganzen Volkswirtschaft abhängig sind. Da die zukünftigen Firmengewinne der wichtigste Antrieb für die Aktienkurse sind, schwanken die Kurse von zyklischen Aktien meist deutlich mit der Konjunktur. Eine Abkühlung der Konjunktur und die dadurch sinkende Nachfrage nach Konsumgütern beeinflusst die Firmengewinne negativ und schwächt die Bilanz dieser Unternehmen meist empfindlich.
Dies wiederum hat zur Folge, dass viele konservative Anleger zyklische Aktien meiden, ja diese sogar hassen wie der Teufel das Weihwasser. Es gibt sogar Studien die belegen wollen, dass es langfristig überhaupt keinen Sinn mache, in zyklische Aktien zu investieren. Denn das Risiko, den Konjunkturzyklus falsch einzuschätzen und große Verluste einzufahren, sei viel zu groß.
Umgekehrt sind aber die Gewinnmöglichkeiten für abgebrühte Anleger bei zyklischen Aktien äußerst attraktiv – aber eben nur für diejenigen, die über ein ausgeprägtes Gespür im „Market-Timing“ verfügen. Also nur für die wenigsten.

Ist Daimler heute eine Kaufgelegenheit?

Ärgerlicherweise werden die deutschen Autohersteller, also nicht nur Daimler, aktuell sowohl von der Zyklik des Sektors bedroht als auch von den Auswirkungen des peinlichen Dieselskandals.
Alleine bei Daimler könnten die sich daraus ergebenden Strafen ca. drei bis vier Milliarden Euro betragen.
Dazu kommen noch die derzeit stattfindenden bahnbrechenden Veränderungen in der Automobilbranche. Z.B. der Umstieg von fossilen Kraftstoffen auf Elektrofahrzeuge und autonome Fahrzeuge, die menschliche Fahrer überflüssig machen.
Besonders bedroht sind zyklische Aktien, da die Konsumenten in einer Krise oder einer Rezession fast keine Anschaffung so lange vor sich her schieben wie den Kauf eines Neuwagens.
Deshalb erleben wir bei zyklischen Unternehmen meist nicht nur eine Gewinnwarnung und Gewinnrevision der Analysten, sondern mehrere.
Die jüngste Gewinnwarnung könnte also erst die Ouvertüre gewesen sein. Dann wäre der Leidensweg der Daimler Aktionäre noch längst nicht beendet, ganz egal wie günstig das KGV und andere Bewertungskriterien uns heute erscheinen. Sobald die Stückzahlen und die Erlöse sinken, die Stückkosten umgekehrt steigen, verteuern sich die Aktien auch bei fallenden Kursen.
Wenn dann auch noch Inflation und Zinsen steigen, wird es richtig ungemütlich. Höhere Kapitalkosten und geringere Erlöse bringen dann den einzelnen Zyklischen Anbieter
Die „Millionen Dollar- Frage“ lautet also heute, wann die Daimler Aktie wieder ein klarer Kauf für geduldige Anleger ist. Die Krux dabei ist, dass die Aktie fundamental und nach heutiger Erkenntnis extrem günstig bewertet ist.
Sehr „billig“ im historischen Kontext war sie aber bereits in den vergangenen drei Jahren, indem sie trotzdem unter starkem Verkaufsdruck stand. Hier erkennt man, dass an der Börse die Zukunft und nicht die Vergangenheit gehandelt wird. Die großen und meist gut informierten Anleger sind seit Jahren skeptisch gegenüber der Performance von Daimler und stehen tendenziell auf der Seite der Verkäufer.
Bitte bedenken Sie, dass die fundamentale Bewertung auf den gegenwärtigen Zinsen, Erlösen und Kosten beruht. Nur wer eine Glaskugel hat und die zukünftige Entwicklung der Gewinne und das Zinsniveau für den Diskontierungsfaktor der zukünftigen Gewinne kennt, kann den zukünftigen Kurs einer Aktie prognostizieren.
Wegen der Schwierigkeit die Zukunft exakt vorherzusagen, lassen viele Anleger ganz einfach die Finger von zyklischen Aktien wie Daimler.

Während ich heute, trotz des bisherigen Kursverfalls, für die Daimler Aktie skeptisch bin, sehen dies andere Analysten anders. Die Deutsche Bank und auch die schweizerische UBS beschreiben die Risiken und die sinkende Gewinnmarge, bleiben aber bei Ihren ambitionierten Kurszielen von 90 bzw. 92 Euro.
Kleine Anekdote am Rand. Die beiden Banken befinden sich mit Ihrem großen Optimismus für die Autowerte im selben Boot wie der ehemalige Moderator Hans Meiser, der in einer skurrilen Werbung verzweifelt für eine positive Explosion des Sektors trommelt.
Wie bereits gesagt, entscheidend bei Investments in zyklische Unternehmen ist das richtige Timing. Obwohl wir wahrscheinlich nicht das Glück haben, exakt den günstigsten Ein- und Ausstiegszeitpunkt zu finden, werfen  wir einen Blick auf den Chart.

Daimler: Kursziel 50 €
Daimler kippt aus dem Seitwärtstrend

Wie Sie sehen, hat sich der Kurs von Daimler bereits um etwa ein Drittel von seinem zyklischen Hoch des Sommers 2015 entfernt. Der Grund dafür war zunächst die Befürchtung einer deutlichen Abkühlung der Konjunktur und eines starken Rückgangs der Nachfrage aus China. Als sich später diese Befürchtung als übertrieben herausstellte, verlor die Aktie immer stärker an Vertrauen infolge des Dieselskandals.

Mit freundlicher Unterstützung des starken allgemeinen Aufwärtstrends der deutschen Aktien konnte sich Daimler immerhin in einen Seitwärtstrend retten. Doch dieser scheint nun nach unten aufgelöst zu werden. Mit einer deutlichen negativen Kurslücke ist die Aktie nach unten gekippt.
Die alte Unterstützung bei etwa 60 € wirkt nun als starker Widerstand. Entsprechend der Breite des Seitwärtstrends tippe ich auf ein Kursziel von etwa 50 € und sogar auf ein neues zyklisches Tief.
Besonders falls sich die Konjunktur nun wirklich allmählich nach dem langen Aufschwung abkühlen sollte. Dieses Kursziel mag heute extrem klingen, aber in Anbetracht der Unsicherheit halte ich es für realistisch. Die Beispiele Chrysler und General Motors haben gezeigt, dass zyklische Autohersteller sogar in Zahlungsunfähigkeit geraten können.
Bitte beachten Sie, dass die konkreten Empfehlungen für Ein-und Ausstiege im Premium Brief erfolgen, wo ich für drei unterschiedliche Zeitebenen je ein Depot führe.

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Viel Erfolg mit Ihren Investitionen
Ihr fairer Berater Klaus Buhl

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