Warum haben politische Börsen (Schutzzölle) kurze Beine?

Liebe Anleger und Anlegerinnen,

wieder liegt eine spannende und sehr politisch geprägte Handelswoche hinter uns – und damit meine ich wirklich spannend.
Meiner Meinung nach war es in den vergangenen Tagen äußerst schwierig, eine der Börsenlage angemessene Anlageentscheidung zum Vorteil meiner Depotkunden und der Investoren des von mir betreuten Wachstumsdepots der Vermögensverwaltung zu treffen.
Wegen der vielen wichtigen technischen Indikatoren, die in verschiedene Richtungen zeigen, habe ich in den ver-gangenen Tagen einige Laufeinheiten mehr als üblich am schönen Rhein absolvieren müssen, um sinnvolle Ent-scheidungen zu treffen. Immerhin habe ich häufig beim Joggen die besten Ideen.
Schwierig ist die aktuelle Börsenlage, da sich politische Ereignisse, die meist nur kurzfristigen Einfluss haben, und wichtige makroökonomische Faktoren gegenseitig überlagern.
Als Ausdruck dessen hat sich der DAX in der vergangenen Woche sehr widerstandsfähig gezeigt, obwohl er nach wie vor gegenüber den wichtigen US- Indizes eine deutliche relative Schwäche erkennen lässt.
Weder das komplizierte Ergebnis der Parlamentswahl in Italien noch die Unsicherheit der immer konkreter werdenden Strafzölle auf Stahl und Aluminium durch Präsident Trump haben die Anleger besonders nervös gemacht.
Für uns Anleger stellt sich jetzt die Frage, wie wir darauf reagieren sollten. Denn wir kennen ja die alte Börsenregel, dass politische Börsen kurze Beine haben. Aber sollten wir dieser schon etwas in die Jahre gekommenen Börsenregel auch in der heutigen komplexen Welt des Programmhandels und der „Algo-Trader“ wirklich vertrauen?

Bremsen politische Risiken den DAX?

Wie bereits kurz erwähnt, handeln deutsche und europäische Aktien seit Wochen viel schwächer als amerikanische. Der Grund dafür scheint der drohende Handelskrieg zu sein.
Dies erscheint plausibel, da Deutschland mit seiner hohen Exportquote und globaler Vernetzung potenziell einer der international größten Verlierer eines Handelskonflikts wäre.
Trotzdem bin ich bei näherer Betrachtung und Abwägung der verschiedenen Risiken nicht davon überzeugt, dass große Anleger nur aus Respekt vor dem möglichen Konflikt bereits seit Wochen europäische Aktien verkaufen.

Dazu müssen wir wissen, dass die EU 20 und Deutschland nur 10 % des von den USA importierten Stahls liefert.
Die Gewinne der wenigen Stahlexporteure (wie Salzgitter) werden aus diesem Grund nicht abstürzen.
Auf Heller und Pfennig berechnet ist der Schaden für die deutsche Volkswirtschaft nicht groß.
Viel größer könnte der Schaden aber werden, wenn die EU jetzt wie ein beleidigtes Kind reagiert und unüberlegt „Revanche-Zölle“ einführt und dazu beiträgt, dass der Streit eskaliert. Dann würde sich eine Spirale aus weiteren Zöllen und Gegenzöllen bilden, das Handelsvolumen würde sich verringern, Produzenten- und Konsumentenpreise zu Lasten der Bevölkerung steigen, die den Gürtel enger stellen müsste. Auch weltweit steigende Inflation und Geldentwertung könnte die Auswirkung eines Handelskonflikts sein.

Die heutige Frage lautet also, ob die relative Schwäche des DAX gegenüber den amerikanischen Börsen gerechtfertigt ist? Ohne Glaskugel lässt sich die Frage natürlich nicht exakt beantworten, da an der Börse ausschließlich Wahrscheinlichkeiten gehandelt werden. Es kommt also beim Investieren darauf an, eine möglichst hohe Wahrscheinlichkeit „in seinem Portfolio zu vereinen“.
Da der DAX seit dem vergangenen Frühjahr 2017 seitwärts tendiert und sich von der kürzlichen scharfen Korrektur noch längst nicht erholt hat, besteht also das Risiko, dass die Auswirkungen des Handelskonflikts für Deutschland stärker sein könnten als heute von vielen Anlegern vermutet.
Diese Gefahr ist nicht abwegig, da der hohe Überschuss von 50 Mrd. USD im Außenhandel, den Deutschland mit den USA hat, Präsident Trump natürlich ein Dorn im Auge ist. Vielen Investoren ist nicht entgangen, dass der Präsident ein Wahlkampfversprechen nach dem anderen abarbeitet. Die Bekämpfung von aus seiner Sicht negativen Handelsbilanzen und unfairen Handelspraktiken gehört dazu.
Falls der Präsident weiterhin konsequent bei seiner Linie bleibt, und ohne Rücksicht auf die eigenen politischen Freunde, den Welthandel zu Gunsten der USA behindert, würden Deutschland und Europa zu den großen Verlierern zählen. Ganz besonders heikel würde es für Deutschland werden, falls Trump die deutsche Autoindustrie angreifen würde. Auch dies ist leider gar nicht mal so unwahrscheinlich, da die EU umgekehrt jedes nach Europa eingeführte Auto mit einem Einfuhrzoll von 10 % verteuert. Die USA bestrafen die aus der EU importierten Autos umgekehrt nur mit 2,5 %.
Von den unfairen europäischen Agrarsubventionen, die z.B. in Afrika ganze Märkte zum Einsturz gebracht haben, müssen wir hier gar nicht sprechen. Oder von der irrwitzigen Umverteilungspolitik der EU, von der angetrieben unvorstellbare Geldsummen (950 Mrd. in 6 Jahren, 20 % davon von Deutschland) nach Brüssel überwiesen, die später in den einzelnen Mitgliedsländern häufig für höchst fragwürdige Projekte verschwendet werden.
Leider müssen wir also feststellen, dass es einige Argumente dafür gibt, dass der amerikanische Aktienmarkt in der jüngeren Vergangenheit viel besser als der deutsche abgeschnitten hat.

Die folgende Grafik zeigt Ihnen die relative Performance des DAX zum wichtigen S & P 500 Index.

Relativ schwacher DAX
Der DAX ist relativ schwach gegen den S P 500 Index

 

 

Wie Sie sehen, hinkt der DAX dem US- Index seit November ganz deutlich hinterher. In der relativen Betrachtung hat sich ein stabiler Abwärtstrend gebildet, der nun sogar nach unten verlassen wurde. Gründe dafür könnten die oben dargelegten Auswirkungen eines Handelskrieges sein und umgekehrt natürlich auch der wirtschaftsfreundliche Politik von Präsident Trump und die stark steigenden Firmengewinne durch seine Steuerreform

Warum haben eigentlich politische Börsen kurze Beine?

Wir alle kennen die Börsenregel „politische Börsen haben kurze Beine“. Diese will erklären, dass die Kurse häufig sehr widerstandsfähig auf politische Börsen reagieren und schnell zur Tagesordnung zurückkehren und die vorher geltenden übergeordneten Trends verfolgen. Warum aber perlen mögliche Risiken und Gefahren so schnell an den Börsianern ab, obwohl sich die Medien zu diesen Themen geradezu überschlagen?
Das liegt daran, dass die großen und gut informierten institutionellen Anleger ihre Risiken täglich sehr vorsichtig an die politische und wirtschaftliche Entwicklung anpassen – und gegebenenfalls Aktien frühzeitig verkaufen. Sich aufbauende Schwierigkeiten und mögliche Risiken werden also täglich eingepreist – meist sogar noch bevor die Massenmedien auf das Thema aufspringen und die Masse der Anleger darüber diskutiert.
Deswegen gibt es für diese Anleger keine Notwendigkeit mehr, an den hektischen Börsentagen das politische Risiko zu reflektieren und sich davor zu fürchten. Da die gut informierten Investoren im Gegenteil sogar schon ihre Liquidität erhöht haben, können sie nun nach vorne blicken und in der hektischen und emotional geprägten Börsenphase zu Schnäppchenpreisen Positionen aufbauen.

Fazit: Da die kursbestimmenden  großen Anleger täglich Ihr Risiko an die (geo) politische Entwicklung anpassen, blicken diese an den hektischen Börsentagen schon wieder nach vorne in die Zukunft und decken sich bereits zu günstigen Preisen ein – zur großen Überraschung der weniger gut informierten und der „zittrigen“ Anleger.

Viel Erfolg mit Ihren Investments und einen fröhlichen Tag wünscht Ihnen Ihr fairer und persönlicher Berater

Klaus Buhl

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