Sollte man überhaupt deutsche Aktien kaufen?

Deutsche Aktien performen viel schlechter als US-Aktien

was für eine Woche: in den USA vollzogen die Indizes ein seltenes „Triple“.
Gleichzeitig erklommen der Dow Jones, der S & P 500 und die Nasdaq 100 neue Allzeithochs.
Es ist ein sehr „bullishes“ und seltenes Ereignis wenn alle wichtigen Indizes gleichzeitig neue Hochs markieren. Immerhin kennt die Charttechnik kein größeres Kaufsignal als ein Allzeithoch und die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass auf ein Hoch ein weiteres folgt.
Nur die wichtigen Nebenwerte des Russell 2000 lassen sich noch bitten und notieren etwa 10 % unter ihrem Hoch aus dem vergangenen August.

Wie Sie vielleicht wissen, gelten besonders die Nebenwerte als gute Indikatoren für die Risikotragfähigkeit der Investoren, ganz ähnlich wie die Wachstumswerte der Nasdaq.
Je größer die Zuversicht der Anleger, desto höher ist die Wahrscheinlich-keit, dass Wachstumswerte und Nebenwerte neue zyklische Hochs erreichen. Wird die Stimmung wieder schlechter, stehen tendenziell die hochkapitalisierten Aktien und Firmen mit nicht zyklischen Geschäftsinhalten im Mittelpunkt des Interesses. Diese gelten als besonders sicher und produzieren häufig Dinge des täglichen Bedarfs, die wir täglich konsumieren, z.B. Zahnpasta, Windeln und das viel zitierte Toilettenpapier.
Deswegen ist es immer wichtig zu unterscheiden, ob die riskanten Wachstumswerte oder die eher defensiven Konsumgüter den breiten Markt anführen.
Aktuell ist die Lage nicht eindeutig. Denn in den vergangenen Wochen favorisierten die US- Anleger auf der einen Seite die riskanten Wachstums-titel, positionierten sich aber andererseits nicht bei den Nebenwerten, die traditionell ebenfalls auf ein großes Vertrauen der Investoren deuten.

Ein ganz anderes und leider sehr schwaches Bild präsentiert uns der deutsche Aktienmarkt.
Hier dominieren die Gewinnwarnungen und die Furcht vor einer noch tieferen Rezession in der Industrie. Und natürlich die Angst, dass die schwache Verfassung des Industriesektors eine umfassende Rezession auslöst, also den Arbeitsmarkt negativ beeinflusst und den gesamten Dienstleistungssektor nach unten zieht. Alleine in den vergangenen Wochen hat es prominente DAX -Mitglieder zum wiederholten Mal erwischt. Daimler brachte die zweite Gewinnwarnung binnen vier Wochen und die vierte binnen 13 Monaten.
BASF senkte drastisch die Zielprognose für Erlös und Gewinn.
Kürzlich hatte es aber bereits schon Covestro, Lufthansa und zum wiederholten Mal die Deutsche Bank erwischt.
Leider gab es auch in der zweiten Reihe herbe Enttäuschungen, z.B. bei Deutz, Krones oder Washtec.
Allmählich sollten wir uns vielleicht fragen, wer überhaupt noch keine Gewinnwarnung ausgesprochen hat und uns auf diese Firmen und Sektoren konzentrieren.

Deutsche Aktien: viele Enttäuschungen

Kein Wunder, dass der DAX noch meilenweit von seinem Allzeithoch entfernt ist und langfristig betrachtet viel schwächer als der breite US- Markt tendiert. Hierzulande ist das Vertrauen der Anleger nicht besonders groß, was vielleicht auch daran liegt, dass der DAX viel stärker von Ausländern als von Inländern dominiert wird.
Die schwache Vorstellung des DAX ist insofern bemerkenswert als der DAX ein Performance-Index ist, in den jährlich milliardenschwere Dividenden-zahlungen einfließen – im Gegensatz zum hier betrachteten  S & P 500 Index.

Die folgende Grafik zeigt Ihnen eine Betrachtung der relativen Performance des S & P 500 Index mit dem DAX, die Ihnen die schwache Vorstellung des DAX im Vergleich mit dem breiten US-Aktienmarkt zeigt. Für die Dar-stellung habe ich den gelassenen P & F Chart gewählt, der die Neben-geräusche herausfiltert. Dabei bedeutet eine fallende Tendenz, dass die US- Börse schwächer als die deutsche ist. Dies war z.B. ganz massiv während der Baisse des Jahres 2003 der Fall und dauerte etwa bis zum Beginn der Finanzkrise Ende 2007. Darauf begann eine lange Periode, in der sich die beiden Börsen tendenziell unter gewissen Schwankungen gleich entwickelten.

…..

Viele positive X-Spalten und negative 0-Achsen wechselten sich zwischen den Jahren 2008 und 2017 ab. (Bitte erinnern Sie sich daran, dass P & F Charts keine klassische Zeitachse haben, nur substantielle Preisänderungen generieren weitere X-  oder 0- Spalten).
Im Jahr 2017 durchbrach eine dynamische und positive X-Achse den jahrelangen Seitwärtstrend und löste ein Kaufsignal im Sinne der P & F Technik aus.
Leicht erkennen wir, dass seit der Wahl von Präsident Trump amerikanische Aktien viel stärker als deutsche Dividendenpapiere sind.
Dies liegt natürlich an der aktienfreundlichen Politik und insbesondere den Steuererleichterungen für US -Firmen. Wir können ahnen, warum der aktuelle Präsident an der Wall Street sehr beliebt ist und sich sogar selber als deren Präsident bezeichnet.
Insgesamt lässt die sehr dynamische X-Achse im rechten Bereich der Grafik wenig Fragen offen und zeigt, dass US-Aktien haushoch überlegen sind. Im Augenblick macht es aus relativer Sicht wenig Sinn in deutsche Aktien zu investieren oder diese stärker als andere Regionen zu gewichten, zum Beispiel die USA oder den Raum Asien Pazifik.

Auch für die Veränderungen von relativer Performance gilt nämlich, dass die meisten Trends länger andauern als man dies für möglich hält. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Trend bestehen bleibt, ist größer als dass sich ein neuer Trend etabliert. Das gleiche gilt auch für die Performance von Sektoren und einzelne Aktien. Genau dies erleben wir seit mehreren Jahren im Bereich Technologie, Internet und Software. Aber auch bestimmte Regionen tendieren jahrelang besser als andere.

Dies sollten meiner Meinung nach auch wir privaten Anleger ausnutzen – die institutionellen Investoren handeln auch nach diesen Prinzipien.

Sowohl im Premiumbrief als auch in der Anlageberatung oder der Vermögensverwaltung handele ich für meine Kunden nach diesen Prinzipien.

Ich wünsche Ihnen einen schönen und sommerlichen Tag sowie viel Erfolg mit ihren Investitionen.

Ihr fairer Berater
Klaus Buhl

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