Nasdaq: Doppeltop oder Allzeithoch?

P&F Technik - Klaus Buhl - Libra Invest

Früher war alles gut und höchstens mehr oder weniger prominente wie Boris Becker und Oliver Pocher haben sich des nächtens per Twitter duelliert.
Heute ist aber alles in Unordnung, die Präsidenten der USA und Frankreich bedrohen sich gegenseitig wegen des Handelsstreits im Vorfeld des G7-Treffens, weshalb uns Anlegern nun ein charttechnisches Doppeltop an der Nasdaq droht.
Obwohl mir dieses Gipfelformat als sehr antiquiert erscheint, ist die gegenwärtige Situation natürlich besorgnis-erregend und ich wundere mich wirklich, dass die Indizes so  gelassen reagieren.
Da politische Börsen aber kurze Beine haben und wir Anleger unsere persönlichen Empfindungen und Emotionen nicht zu wichtig nehmen dürfen, konzentrieren wir uns gleich auf die Preisbildung an der Nasdaq Comp. , also dem Ergebnis des Kampfes zwischen Angebot und Nachfrage.

Droht an der Nasdaq ein Doppeltop?

Wie Sie sehen, hat sich im Wochenchart der US- Technologiebörse im Laufe ein hässliches Überdeckungsmuster gebildet. Ich gehe davon aus, dass wir in den nächsten Tagen einiges über die Bildung eines gefährlichen Doppeltops an der US- Wachstumsbörse in den Medien lesen werden.
Da aber der mittlerweile mehr als 9 Jahre existierende Aufwärtstrend schon mehrfach von Kritikern für beendet erklärt worden ist, gilt es natürlich auch heute sehr genau hinzusehen.
Ich gebe gerne zu, dass ich im Augenblick in der Vermögensverwaltung und im Premium Börsenbrief recht vorsichtig agiere, dabei aber stets offen für neue Chancen bringen.

Nasdaq Comp.
Nasdaq im Wochenchart

Bei ungefähr 7.600 Punkten hat die weltweit als Leitbörse beachtete Nasdaq ein neues Allzeithoch markiert und ist dabei auch aus dem seit dem Jahreswechsel geltenden Seitwärtstrend nach oben hin ausgebrochen. Keine Frage, dies war ein Kaufsignal wie aus dem Bilderbuch. Sehr zum Leidwesen der Bullen könnte sich dieses Signal als falscher Ausbruch bestätigen. Während sich im Tageschart bisher nur ein hässliches Überdeckungsmuster gebildet hat, sehen Sie hier im Wochenchart einen negativen „Shooting-Star“, der den Angebotsüberschuss auf aktuellem Niveau anzeigt. Ein falscher Ausbruch nach oben inklusive dieser potentiellen Verkaufsformation sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden – vor allem nicht, wenn sich zum Start in die neue Woche eine negative Kerze ausbilden würde. Bitte beachten Sie, dass die Formation eines „Shooting-Star“ aus zwei Kerzen besteht und auf jeden Fall durch eine zweite negative bestätigt werden muss.

Nicht überzeugen können mich auch die negativen Divergenzen in der Markttechnik, hier beim RSI und MACD. Noch ist es zu früh, hier einen typischerweise volatilen Börsen- Sommer zu prognostizieren. Für großen Optimismus fehlen meiner Meinung nach im Augenblick aber ganz eindeutig die Impulse.
Vor allem die langsam nachlassende freundliche Unterstützung der Notenbanken und die so gut wie sicher anstehenden Zinserhöhungen durch die FED und die EZB könnten die Stimmung im Bullenlager demnächst weiter abkühlen.
Verfolgen Sie also in den kommenden Tagen diesen Chart. Ein Rückfall in den Seitwärtstrend wäre kein Beinbruch, wird aber auch unseren DAX mächtig ausbremsen und natürlich die bekannten Skeptiker und Crash-Propheten auf den Plan rufen.

Der Innere Markt der Technologieaktien bleibt gelassen

Die folgende Grafik zeigt Ihnen den wichtigsten Risikoindikator für die Wachstumswerte.
Hier sehen Sie die Relation derjenigen an der Nasdaq notierten Werte, die auf einem definierten Kaufsignal der P & F Technik notieren, also ganz eindeutig von der Nachfrage gelenkt werden.
In dieser Betrachtung geht es nicht um „heißes Spekulationsgeld“, sondern um das Kapital der großen und gut informierten Anleger, die nicht andauernd das Lager wechseln oder kopflos hin und her rennen.

Nasdaq und Innerer Markt

Wie Sie sehen, notieren heute etwa 63 % der Titel auf einem stabilen Kaufsignal, was einer soliden Marktbeteiligung entspricht. Es stimmt also nicht, was häufig in den Medien behauptet wird, dass nur die berüchtigten FAANG- Aktien den Aufschwung mittragen würden. Dann nämlich ständen wir viel tiefer in diesem Index, vielleicht bei etwa 20 %. Positiv ist auch, dass wir uns in einer X-Achse befinden. Die Anzahl der Aktien, die von der Nachfrage gelenkt werden, nimmt also zu, nach wie vor fließt aus irgendwelchen Gründen Kapital in den Markt.

Positiv ist auch, dass sich die Unterseiten sowohl der negativen 0- als auch der positiven X- Spalten nach oben bewegt. Tendenziell verbessert sich also die Struktur des Marktes, die Seite der Nachfrage wird stärker. Trotzdem gibt es einen kleinen Wermutstropfen, der mit dem Verkaufssignal der Philosophie der P & F Charts zusammenhängt. Im Februar (Ziffer 2 im rechten Bereich) hat sich nämlich eine dynamische 0-Spalte und ein Verkaufssignal gebildet, welches nach wie vor intakt ist. Erst oberhalb von 64 % würde sich ein neues Kaufsignal bilden und uns signalisieren, dass die Dynamik der Bullen hoch ist. Genau dies ist leider im Augenblick nicht der Fall, die Bullen sind sehr zögerlich und konnten bisher das Verkaufssignal aus dem Februar nicht neutralisieren.

Insgesamt stellt sich die Situation für die Käufer von diesem objektivem Standpunkt betrachtet als leicht positiv, aber keinesfalls euphorisch dar.
Trotz der im Augenblick schrillen Töne und der vielen Warnungen von Journalisten, die meist ohnehin nicht investiert sind, kann ich bisher keine heraufziehende Katastrophe für uns Anleger erkennen. Ich schlage vor, unseren Prinzipien treu zu bleiben und die Situation erst zu überdenken, wenn sich in diesem wichtigen Risikoindikator eine negative 0-Spalte bildet und der Markt von innen her aufweicht. Davon sind wir im Augenblick noch meilenweit entfernt.

Hier können Sie verfolgen, wie ich mich systematischen Premium Börsenbrief verhalte und unsere Depots an die gegenwärtige Situation anpasse.
Ganz ähnlich verfahre ich natürlich auch in der Anlageberatung, wo ich meinen Kunden individuelle Depotstrategien anbiete und selbstverständlich auch in der Vermögensverwaltung.

Mit herzlichen Grüßen

Ihr Klaus Buhl

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