DAX: wirklich schon K.O.?

Liebe Investoren und Freunde der Point & Figure Charts,

da gibt es nichts zu beschönigen, das einzig positive der vergangenen Woche war der Feiertag, der dadurch für viele bedingte Brückentag und natürlich das schöne Sommerwetter. 
Doch dies reichte nicht aus, um die sehr pessimistische Stimmung der Marktteilnehmer in einer der schwächsten Börsenwochen des Jahres zu verbessern.
Die Gründe für den Kursrutsch waren natürlich mit der Verschärfung des Handelsstreits schnell ausgemacht. Nicht besonders hilfreich ist meiner Meinung nach auch die Forderung des italienischen Innenministers, die EZB müsse ein bestimmtes Schuldenkontingent quasi garantieren. Die sehr spezifischen europäischen Währungsprobleme werden noch eine ganze Weile ausländische Marktteilnehmer davon abhalten, in Europa zu investieren. Dazu kommt noch die Problematik, dass die EZB ihr Pulver verschossen hat und im Fall einer schwächeren Konjunktur die Zinsen nicht mehr senken kann – ganz im Gegensatz zur US –Notenbank FED.

Viele Anleger machen jetzt den berühmten „Rückschau-Fehler“ und sind davon überzeugt, dass es vollkommen klar war, dass die Kurse nach dem Mai-Hoch bei 12.400 Punkten nur noch fallen konnten. Dabei übersehen diese Anleger aber, dass die Kurse lange Zeit überraschend robust waren und es häufig geopolitische Risiken gibt, die überraschend schnell aus der Welt geschaffen werden und nach wenigen Wochen aus den Köpfen der Börsianer verschwinden. Meist sogar genau dann, wenn wir es am wenigsten erwarten. 

Die Mehrheit der technischen Analysten geht mittlerweile davon aus, dass der Aufwärtstrend im DAX beendet ist und wir vor schweren Zeiten oder mindestens einem sehr unangenehmen Börsen-Sommer stehen. Dies ist natürlich möglich, wegen der nach wie vor robusten Konjunktur aber noch längst nicht sicher. Auch weil Aktien nach wie vor die stärkste Anlageklasse sind und deutlich vor Anleihen, Rohstoffen und Währungen rangieren.
Vor allem sollten wir Anleger stets im Hinterkopf behalten, dass die beiden Kontrahenten Trump und Xi rational handeln und Konflikt nicht ewig eskalieren lassen wollen. Der eine wegen der Präsidentschaftswahl im Herbst 2020, der andere um Unruhen und eine Rezession zu verhindern.

DAX: Aufwärtstrend noch intakt

Ich gebe zu, dass die global führenden Indizes keinen besonders konstruktiven Eindruck machen. Aber deshalb von einer Katastrophe oder einem vor uns liegenden Crash zu reden, halte ich für voreilig und unseriös. Immerhin waren die Anleger  – in Anbetracht der Risiken besonnen – in den vergangenen Wochen sogar besonnen und haben tiefere Kurse für neue Käufe genutzt. Vor allem in den stärksten Sektoren -Technologie und Finanzen – und deren stärksten Aktien, konnten wir dies mehrfach beobachten.
Auch der von mir favorisierte P & F Chart zeigt noch einen intakten Aufwärtstrend. Von einer harten Korrektur kann keine Rede sein und die Wahrscheinlich ist nicht schlecht, dass der DAX in den nächsten Tagen die positive Aufwärtstrendgerade bestätigen und dort neuen Schwung holen wird. Ganz genauso wie im Januar, Februar und zuletzt im April, als diese Trendgerade regelmäßig neue Käufer anlockte.

Wie Sie sehen, ist die in der P & F Technik wichtige positive Unterstützungsgerade noch intakt. Diese Gerade wirkt häufig magnetisch und lockt neue Käufer an.
Für systematisch agierende Anleger ist es noch zu früh, in größerem Ausmaß Aktien abzustoßen.
Auf der anderen Seite erkennen wir deutlich den Angebotsüberhang und die Verkaufssignale unterhalb von 12.000 und 11.850 Punkten. Aus irgendwelchen Gründen ist die Nachfrage heute viel schwächer als noch vor wenigen Wochen. Da aber der Handelskrieg und die schwierige Bodenbildung der Konjunktur keine ganz neuen Nachrichten sind, besteht die Chance, dass die Unterstützungsgerade ihrem Namen alle Ehre macht und den Ausverkauf stoppt. 
Aber auch wegen des unterstützenden Zwischenhochs bei etwa 11.650 aus dem vergangenen Dezember ist das gegenwärtige Niveau interessant für die Käufer. Weiteres Ungemach würde den Bullen unterhalb von 11.300 drohen. Dann müssten wir sogar einem erneuten Test der wichtigen Unterstützung bei 11.900 einkalkulieren.
Solange allerdings die Konjunktur auf eine Erholung und nicht auf eine Rezession deutet, gehe ich nicht von diesem ungünstigen Szenario aus.

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