Aktiensteuer – teuer und ungerecht

Leider scheinen sich meine schlimmsten Befürchtungen zu bewahrheiten, das von Olaf Scholz geführte Finanzministerium will die unsinnige Finanztransaktionssteuer unbedingt und so schnell wie möglich einführen.  Wahrscheinlich ab dem Jahr 2021 müssen wir uns mit dieser „Strafsteuer auf die Altersvorsorge“ abfinden, die eine durchschnittliche Order von z.B. 2000 Euro  um 4 € verteuern wird.

Grundsätzlich äußere ich mich hier weder politisch noch polemisch – doch davon will ich heute eine Ausnahme machen, da ich mich an keine andere so schlecht konzipierte, dümmliche und sogar polemische Gesetzesvorlage erinnern kann.
Mit diesem Vorhaben hat unser Bundesfinanzminister die große Chance, als der unfähigste Finanzminister der Bundesrepublik in die Geschichte einzugehen.

Während auf der einen Seite die Banken und Versicherungen dank hervorragender Lobbyarbeit mit zweifelhaften und wenig rentierlichen Geschenken wie der Riester- und der Rürup-Rente aufgepäppelt werden, wird bald der direkte Kauf einer Aktie oder auch der ETF- Sparplan für die Altersvorsorge finanziell bestraft.

Schon häufig habe ich hier die schlechte Aktienkultur in Deutschland kritisiert, da diese der wichtigste Grund dafür ist, warum das Vermögen der Deutschen im letzten Drittel im EU-Vergleich rangiert, obwohl wir das größte Bruttosozialprodukt erwirtschaften. Davon einmal abgesehen ist es natürlich kaum zu verstehen, warum wir uns  so wenig am Erfolg der herausragenden Mittelständler und sogar Weltmarktführer unserer Wirtschaft beteiligen und diese lieber den riesigen angelsächsischen Vermögensverwaltern überlassen.

Eigentlich ist es unerklärlich, warum wir uns demnächst mit einer Strafsteuer auf Aktien herumplagen müssen, obwohl Aktien und Aktiensparpläne die ideale Altersvorsorge und das beste Instrument sind um Vermögen aufzubauen. Vielleicht müssen wir uns aber auch nur aus purem Zufall demnächst mit der Finanzmarktsteuer herumplagen. Denn immerhin ist unser Finanzminister Olaf Scholz nach eigenem Bekunden kein Aktionär, sondern ganz zufrieden mit seinem Geld auf dem Sparbuch und dem Girokonto.
Ärgerlich für uns normale Menschen ist nur, dass Scholz im Vergleich zu den allermeisten Bürgern auch gar keinen Grund hat, für seine Zukunft vorzusorgen. Denn immerhin verfügt er als  Finanzminister über ein Einkommen von etwa 19.000 € und eine sichere Rente von ca. 8000 Euro.
Damit kann man natürlich gut schlafen und muss überhaupt keinen Gedanken an Vorsorge, Sparpläne und Vermögensaufbau verschwenden.

Warum soll die Transaktionssteuer eingeführt werden?

Nach der Finanzkrise haben sich verantwortungsvolle Politiker Gedanken darüber gemacht, wie ein solches Ereignis zukünftig verhindert werden kann. Mit der Finanz- und Bankindustrie, undurchsichtigen Hedgefonds, Spekulanten und sogar braven Aktionären und „Riester-Sparern“ waren die Auslöser der Finanzkrise offenbar schnell gefunden.
Denn nach jahrelangen Überlegungen kamen die vermeintlichen Experten zum Ergebnis, dass jeder Handel bzw. Vermögensübergang eines Wertpapiers besteuert werden soll.
Mit der Strafsteuer belegt werden übrigens nur diejenigen Aktien europäischer Länder, die sich an dieser beteiligen, wahrscheinlich 10 Länder. Umgekehrt bedeutet dies, dass z.B. US- Aktien nicht mit der Steuer belegt werden, aber deutsche Papiere, die bei den meisten Kleinaktionären besonders beliebt sind.

Ganz nebenbei erkennt man hierbei übrigens, dass unser Finanzminister übersehen hat, dass Aktien ein wichtiges Mittel zur Finanzierung von Firmen sind, die kein Fremdkapital in Form von Anleihen oder Bankschulden aufnehmen wollen.

Aktionäre werden zur Kasse gebeten, Hedgefonds beiben ungeschoren

Dann jedoch schlug die Stunde der Lobbyisten und diese vollbrachten das Wunder,  die Hauptschuldigen der Finanzmarktkrise und deren Finanzprodukte, also Derivate, von der Steuer zu befreien.
Ja, Sie haben richtig gelesen, riskante Finanzwetten und Derivate, die Warren Buffet als Massenvernichtungswaffen bezeichnet hatte, sollen von der Steuer ausgenommen werden. Diese Ungerechtigkeit ist von uns normalen Aktionären und Sparern kaum zu verstehen.

Die Vermutung liegt nahe, dass es hier gar nicht um Gerechtigkeit geht, sondern um reine Machtpolitik. Und darum, dass viele Politiker so wenig Wirtschaftsverständnis haben, dass sie ganz einfach davon überzeugt sind, dass man die reichen und bösen Aktionäre kollektiv bestrafen und schröpfen sollte – natürlich nur, wenn sie keine gute Lobby haben.

Anders ist nicht zu erklären, warum gerade diejenigen Aktionäre, die einfach auf ausländische Papiere, ausländische Börsenplätze und natürlich Derivate ausweichen können, nicht mit der Steuer belegt werden, aber der brave Aktiensparer und disziplinierte Inhaber von ETF-Sparplänen.
Eine weitere große Ungerechtigkeit besteht darin, dass die steuerlichen Verrechnungsmöglichkeiten bei einem Totalverlust abgeschafft werden  sollen. Ebenfalls will Scholz die günstige Abgeltungssteuer von 25 Prozent (plus Soli und Kirchensteuer) auf Aktiengewinne abschaffen und durch den meist deutlich höheren, individuellen Satz der Einkommenssteuer ersetzen will. Dies ist natürlich ein anderes Thema und kann steuersystematisch durchaus begründet werden, obwohl natürlich unser Erspartes Kapital bereits einmal versteuert worden ist.
Interessant ist natürlich, dass viele Organisationen und Interessenverbände, ja sogar einige Mitglieder der Partei „die Grünen“ längst kapiert haben, dass mit der geplanten Aktiensteuer die Auslöser der Finanzkrise nicht bestraft und die geplanten Ziele nicht erreicht werden.

Wie können wir uns vor der Finanztransaktionssteuer schützen?

Der einfachste Weg, die Strafsteuer auf Aktien zu sparen, ist meiner Meinung nach, auf deutsche (und viele europäische Aktien zu verzichten). Dies ist natürlich nicht im Sinn derjenigen Anleger, die sich bei bestimmten Firmen engagieren wollen und ganz bewusst in diese investieren, aber anscheinend politisch so gewollt.
Eine andere Möglichkeit ist natürlich in ETFs auszuweichen, die nicht physisch sondern synthetisch repliziert werden.
Diese sind zwar nicht besonders populär, da es sich hier um Derivate und nicht um echte Sachwerte handelt, dies wiederum ist dem Gesetzgeber aber egal.
Wie ich aus persönlicher Erfahrung weiß, mögen viele Anleger aus verschiedenen Gründen keine synthetischen ETFs. Bisher waren mir die physisch hinterlegten auch lieber, dieses eigentlich vernünftige Verhalten gilt es aber demnächst zu hinterfragen.
Immerhin wollen uns der Finanzminister und seine Berater synthetische Produkte und Derivate schmackhaft machen.
Dieses Lenkungsverhalten ist zwar weder vernünftig noch verständlich, muss aber von uns “kleinen Leuten” und Aktienanlegern nicht verstanden werden.
Auf jeden Fall will ich mich hier aber deutlich dagegen aussprechen, als bisheriger Aktionär auf riskante Futures und Derivate umzusteigen, „nur“ um die Finanztransaktionssteuer zu sparen.
Diese  speziellen Risiken wären für die meisten Anleger viel zu groß und unkalkulierbar und sollten aus steuerlichen Gründen nicht eingegangen werden, meiner Meinung nach.

Fazit:
Insgesamt könnte die geplante Aktiensteuer aber ein guter Grund sein, die persönliche Anlagestrategie zu überdenken. Immerhin vermindern viele Anleger Ihre Rendite durch hektisches Handeln bzw. überhöhte Transaktionskosten. Davon abgesehen ist eine hohe Handelsaktivität auch mit jeder Menge Stress verbunden. Für einige Anleger ist die Beschäftigung mit Aktien und Märkten bestimmt ein interessantes Hobby, die Mehrheit will aber einfach nur möglichst effizient eine faire Rendite erzielen und ein gewisses Vermögen aufbauen.
Genau dafür wiederum bieten sich Investitionen mit ETFs in die stärksten Branchen und Regionen an, die möglichst lang – aber auch nicht zu lang – gehalten werden sollen.

Genau so biete ich es übrigens meinen Kunden in der Anlageberatung an, sehr ähnlich auch in der Vermögensverwaltung.
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Viel Erfolg mit ihren Investitionen,

Ihr fairer Berater,
Klaus Buhl

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