Aktienrückkäufe –Vor-und Nachteile

New York Stock Exchange

in diesem Jahr steuert das Volumen der Aktienrückkäufe sowohl in Deutschland als auch in den USA auf einen Rekordwert zu. In diesem Jahr werden alleine in Deutschland wahrscheinlich Aktien im Wert von knapp 6 Milliarden Euro zurückgekauft, die höchste Summe seit der Finanzkrise im Jahr 2008.
In den USA hingegen werden sich die Aktienrückkäufe auf mehr als 1 Billion US-Dollar summieren. Verantwortlich für diese Rekordsummen sind die hohen Gewinne der Unternehmen, der starke Cashflow und in den USA auch die Steuerreform. Die Aktienrückkäufe haben sich in den USA um 60 % gegenüber dem Vorjahr erhöht, im Technologiesektor sogar um 130 %. Kein Wunder, dass die Aktionäre begeistert sind und sich in der Regel über die Kurszuwächse freuen.

Doch was verstehen wir überhaupt unter einem Aktienrückkauf?

Ein Aktienrückkauf muss zunächst auf der Hauptversammlung genehmigt werden und ist in Deutschland nur bis zu einem Volumen von 10 % des Grundkapitals möglich. Meistens werden die zurückgekauften Aktien zukünftig nicht im Bestand der Gesellschaft gehalten, sondern eingezogen und sind fortan nicht mehr gewinnberechtigt.
Man könnte dies auch als einen umgekehrten Aktien –Split bezeichnen oder auch das Gegenteil einer Kapitalerhöhung.
In einigen Fällen werden die zurückgekauften Aktien aber auch an Mitarbeiter als Teil ihres Einkommens zur höheren Motivation ausgegeben, oder gar für Optionsprogramme verwendet. Vor allem in den USA und England ist dies sehr beliebt, weniger bei uns in Deutschland.

Bei der Nachricht eines Aktienrückkaufs schlägt das Herz der meisten Aktionäre höher. Völlig zurecht, denn nach einer Studie von Morgan Stanley notieren die Anteile von Gesellschaften, die ein Aktienrückkaufprogramm durchführen, im Folgejahr etwa 13 % höher als vergleichbare Firmen.
Eine Voraussetzung für den Rückkauf von Aktien ist natürlich ein hoher Kassenbestand und vorhandene Liquidität, die wegen der hervorragenden Konjunktur meist gegeben sind. Auch wegen der in Europa üblichen Strafzinsen sind Aktienrückkäufe derzeit sehr beliebt. Vor allem die Schwergewichte Allianz, Munich Re, Siemens, Adidas, Covestro und die Deutsche Börse kaufen derzeit fleißig Aktien zurück.
Die meisten Finanzvorstände brüsten sich mit ihren Aktienrückkäufen und behaupten, damit den Aktionären etwas Gutes zu tun. Und in der Tat fühlen sich die meisten Aktionäre auch pudelwohl dabei. Schließlich wird der Aktienkurs gestützt, der Gewinn je Aktie verteilt sich auf weniger Stücke, weshalb der Gewinn je Aktie und die Dividende ansteigen.

Vor- und Nachteile

Grundsätzlich ist der Kauf von eigenen Aktien eine effiziente Möglichkeit, erzielte Gewinne und überschüssige Liquidität an die Aktionäre zu geben. Getreu dem Motto, lieber den Anteilseignern etwas Gutes tun anstatt die Hausbank durch die Zahlung von Strafzinsen zu unterstützen.
Trotz der genannten Vorteile bin ich kein glühender Verfechter von Aktienrückkäufen und halte diese sogar für gefährlich und fantasielos. Insbesondere starke wachsende Firmen und innovative Gesellschaften sollten bessere Möglichkeiten finden, das verfügbare Kapital im Sinne ihrer Aktionäre einzusetzen. Außerdem können Aktienrückkäufe gefährlich sein, da sie die Liquidität der Aktiengesellschaft reduzieren.
Ein weiterer Nachteil des Rückkaufs von eigenen Anteilen ist das Timing-Problem. Natürlich ist es positiv Aktien zu erwerben, falls ein Aufwärtstrend bestehen bleibt und dadurch zusätzliche Rendite generiert wird. Umgekehrt und kurz vor einem Kursrückgang kann dieser Schuss natürlich gewaltig nach hinten gehen. Ähnlich wie das Timing-Problem bestehen aber Bewertungsprobleme, da der aktuelle Aktienkurs nur selten den exakten fairen Wert spiegelt. Es ist also möglich, dass die Geschäftsführung ein Aktienrückkaufprogramm durchführt, obwohl der momentane Aktienkurs zu hoch ist. Um es mit den Worten des legendären Investors Warren Bufft auszudrücken, würde man einen Dollar mit 1,20 $ bezahlen.

Der größte Nachteil von Aktienrückkaufprogrammen ist aber meiner Meinung nach die Gefahr, dass die Geschäftsführung falsche, nicht nachhaltige und sogar riskante Unternehmensziele verfolgt um den Wert ihrer Aktienoptionen zu steigern. Grundsätzlich werden Optionen wertvoller, wenn der Aktienkurs steigt, was ich hier überhaupt nicht kritisieren will. Problematisch wird es aber, wenn die Geschäftsführung die freie Liquidität primär für Aktienrückkäufe ausgibt und wichtige Sach-Investitionen vernachlässigt. Dabei müssen wir Aktionäre aber auch direkte Nachteile befürchten und zwar dann, wenn die Dividendenzahlungen ausfallen nachdem die Liquidität für Aktienrückkäufe verwendet wurde. Die Gefahr besteht durchaus, da die Inhaber von (Mitarbeiter) Optionen überproportional profitieren – und nicht wir freien Aktionäre.
Kritisch sehe ich auch, dass die Kosten für die Optionen der Mitarbeiter nicht bilanziert werden, die Bilanz also (legal) frisiert wird.

Ebenfalls bezweifele ich, ob Aktienrückkäufe volkswirtschaftlich sinnvoll sind. Wenn eine Gesellschaft eigene Aktien kauft, setzt sie dafür liquide Mittel ein und reduziert die Anzahl der ausstehenden Aktien. Die Kasse wird reduziert und dafür steigt der Aktienkurs. Es werden liquide Mittel aus der Hand gegeben, dafür aber keine Vermögenswerte geschaffen. Ich bezweifle, dass dies langfristig sinnvoll ist. Falls ich damit richtig liege, würden wir Aktionäre durch den gepushten Aktienkurs nur auf dem Papier reicher.

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Viel Erfolg mit Ihren Investitionen und Herzliche Grüße aus Bonn
Ihr Klaus Buhl

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