Liebe Anlegerinnen und Anleger,
Gestern hat die OECD ihren Bericht über die aktuelle Situation der globalen Wirtschaft veröffentlicht. Deshalb will ich mir zwischendurch bei Ihnen mit einer Einordnung melden, da die aktuelle Situation an den Börsen kniffelig ist. Nicht nur weil es September ist.
Zuerst wusste ich überhaupt nicht, ob ich lachen oder weinen sollte. Dann hat zum Glück das rheinische Naturell in mir die Oberhand gewonnen.
Der entscheidende Punkt in der Überschrift war dermaßen zugespitzt, dass ich mich an die üblichen YouTube- Crash-Prognosen erinnert gefühlt hatte.
Wer sich allerdings die Mühe machte, den Bericht der OECD sorgfältig weiterzulesen, hat schnell erkannt, dass die OECD keinen Börsencrash prognostiziert, sondern lediglich ein „anschauliches Negativszenario“ modelliert hat.
Darin unterstellt sie einen Rückgang der weltweiten Aktienkurse um 15 Prozent.
Die Formulierung „stärkster Kurseinbruch seit 2008“ klingt spektakulär, ist aber lediglich journalistische Einordnung. Übrigens spricht die OECD selbst von einem negativen Szenario und ausdrücklich nicht von ihrer Basisprognose.
Droht uns im kommenden Jahr der größte Börseneinbruch seit der Finanzkrise?
Die Prognose eines Rückschlags von 10 bis 15 Prozent ist übrigens weder spektakulär noch ambitioniert. Bitte erinnert Euch daran, dass wir eine derartige Korrektur im Durchschnitt vergangenen Jahrzehnten etwa alle zwei Jahre erleben.
Märkte müssen immer wieder ausatmen, genau wie Ihr beim Dauerlauf.
Korrekturen sind normal und gehören zur Natur der Finanzmärkte, genauso wie Ebbe und Flut.
Im Wesentlichen beleuchtet die Studie drei Schocks, die sich gegenseitig verstärken könnten: Erstens anhaltend hohe Öl- und Gaspreise etwa ein Viertel über dem Basispfad.
Zweitens ein sehr starker El Niño mit Ernteausfällen und stark steigenden Lebensmittelpreisen. Ein ungewöhnlich starker El Niño liegt übrigens bereits vor, sagen die Meteorologen.
Drittens eine Neubewertung an den Finanzmärkten mit fallende Aktienkurse und steigenden Risikoaufschlägen bzw. Zinsen.
Gerade der dritte Punkt ist für private Investoren interessant. Die OECD hält die Aktienbewertungen insbesondere im Technologiesektor für ausgereizt bei gleichzeitig steigenden Renditen. Anleihen werden also zu einer echten Alternative für hoch bewertete Aktien.
Grundsätzlich geht es der OECD also um die Frage, wie sich eine Kombination aus höherer globaler Inflation bei gleichzeitig schwachem Wachstum auswirkt.
Es geht also nicht um ein einzelnes negatives Ereignis, sondern um die Kombination aus teurer werdender Finanzierung und rückläufigem Wachstum.
Für die Börsen und uns als private Investoren wäre das natürlich ein unangenehmes Szenario.
Aber Achtung, die OECD-Basisprognose ist keineswegs dramatisch und sieht für 2027 rund 3 Prozent globales Wachstum vor.
Wie üblich geht es also im Umgang mit der launischen Börse lediglich um unsere Erwartungen.
Für mich bedeutet dies, dass es keinen Grund für Panik gibt, wir aber sehr genau die steigenden Renditen an den Bondmärkten im Blick behalten sollten.
Mal ganz davon abgesehen, dass den Konsumenten allmählich die Luft zum Atmen bzw. die Möglichkeit zum Konsumieren genommen wird.
Wie immer lohnt es sich also für uns Börsianer, nicht nur die Schlagzeilen zu lesen, sondern sich selber ein paar Gedanken zu machen um unser Vermögen zu schützen.
Bitte melden Sie sich bei mir, wenn Sie sich für eine individuelle Finanzplanung und ein für Ihre Bedürfnisse optimal ausgerichtetes und diversifiziertes Portfolio interessieren.
Gerade jetzt ist nämlich eine gute Strukturierung Ihres Vermögens wichtiger als die Jagd nach der besten Aktie oder dem günstigsten ETF.
Ölpreis: Ist die Entspannung schon wieder vorbei?
Nicht nur die oben besprochene Studie der OECD zeigt die sehr große Bedeutung des Ölpreises für die globale Wirtschaft und den Trend an den Börsen.
Einige Tage sah es so aus, als würde die Stabilisierung der wichtigsten Aktienindizes mit dem leichteren Ölpreis zusammenhängen. Doch gestern hat sich der Ölpreis wieder befestigt und und die Aktienkurse umgekehrt nach Süden geschickt.
Deshalb will ich Ihnen heute die Entwicklung des Ölpreises WTI mit dem gelassenen P & F Chart veranschaulichen.
Die Lage am Ölmarkt hat sich etwas entspannt, die Situation könnte aber trügerisch sein.
Ein fallender Ölpreis ist wichtig, da sinkende Energiepreise den Inflationsdruck reduzieren und den Handlungsdruck auf die Notenbanken verringern.
Eine Entwarnung wäre aber zu früh, da der Ölpreis noch ein gutes Stück oberhalb der aufsteigenden Trendgeraden des abgebildeten P & F Chart handelt. Außerdem ist der Kurs gestern wieder in eine aufsteigende X-Achse gesprungen, der Druck der Käufer ist also hoch.
Vielleicht haben die Händler realisert, dass die diplomatischen Gespräche zwischen den USA und dem Iran In New York kaum Fortschritte bringen.
Positiv ist aber, daß sich die Versorgungslage und die Transportkapazität Saudi-Arabiens nach den Angriffen auf deren Pipelines wieder stabilisiert. Dennoch bleibt der Ölpreis stark von politischen Entscheidungen und möglichen Störungen wichtiger Handelsrouten abhängig und entsprechend fragil.

Quelle: Stockcharts
Die dynamische 0-Achse im rechten Bereich zeigt Ihnen den Druck auf den Ölpreis.
Gute Unterstützungen sehe ich bei 89 und etwa 81 USD.
Umgekehrt ist die Region zwischen 106 und 116 USD eine starke Widerstandszone, die nicht einfach zu überwinden ist.
Meiner Meinung nach sind auch die sehr geringen globalen Ölreserven problematisch. Wegen der hohen Preise in den vergangenen Monaten haben einige Länder (nicht nur Deutschland und China) über Gebühr ihre Reserven strapaziert und müssen diese vor dem Winter wieder aufstocken.
Daher besteht das Risiko, dass die Nachfrage und der Preisdruck bald wieder zunehmen.
Für die Börse ergibt sich damit ein gemischtes Bild. Ein dauerhaft geringer Ölpreis wäre positiv für Industrie, Konsum und Inflation und würde die Notenbanken von ihrem Zinserhöhungspfad bringen. Darauf bezieht sich auch die Studie der OECD.
Sie haben mit meinem kostenlosen Börsenbrief bereits einen Einblick in meine Analysen und meinen systematischen Ansatz erhalten.
In der Anlageberatung gehen wir einen Schritt weiter: Wir betrachten Ihre persönlichen Ziele, Ihren Anlagehorizont und Ihre Risikobereitschaft und entwickeln dann daraus eine klare Vorgehensweise. So erhalten Sie nicht nur Informationen, sondern eine fundierte Beratung für eine angemessene Strukturierung Ihres Vermögens.
Bitte antworten Sie einfach auf diese Mail, falls Sie sich für eine persönliche Beratung interessieren oder rufen mich einfach an.. .
Hier finden Sie bitte weitere Infos
Nun wünsche ich Ihnen noch einen schönen Spätsommertag und einen angenehmen Abend.
Lassen Sie sich bitte nicht verrückt machen und zögern Sie nicht, sich bei mir zu melden.
Mit herzlichen Grüßen aus dem Rheinland von Ihrem unabhängigen Berater.
Ihr Klaus Buhl