Positive Überraschung im DAX

Liebe Anlegerinnen und Anleger,

die vergangene Tage waren voller Überraschungen oder gar Kuriositäten und wir Anleger konnten einiges lernen.
Z.B., dass sowohl die Aktienkurse als auch die Anzahl der mit Corona infizierten Menschen steigen können. Dies hätten wir uns im Frühjahr nicht vorstellen können und die Pessimisten mit festen Glaubenssätzen wollen es auch heute noch nicht glauben. 
Spannend ist auch die Erkenntnis, dass die Anspannung vor den US-Wahlen zunimmt, dies die Anleger aber nicht irritiert.
Sehr interessant war für mich aber auch zu hören, dass unser Finanzminister bereits Steuererhöhungen nach den Wahlen plant, während die von Corona viel stärker gebeutelten Italiener den gegenteiligen Weg bestreiten und die Einkommenssteuer senken wollen. Hier frage ich mich natürlich, ob die Transferleistungen und Geldgeschenke innerhalb der EU nicht zu hoch sind?

Alle drei Beispiele zeigen, dass im Leben und an der Börse fast alles möglich ist, sogar das Gegenteil.
Deshalb empfehle ich stets flexibel zu sein und keine starren Investment-Hypothesen aufzustellen.
Es ist zwar häufig sehr angenehm recht zu bekommen, erfolgreiche Anleger orientieren sich aber lieber an Altkanzler Adenauer, der gesagt hat: „was kümmert mich mein Geschwätz von gestern“? 

Wie Sie sehen, läuft der DAX seit Juni seitwärts. Nun hat er aber einen Keil nach oben hin aufgelöst, was die Bullen optimistischer macht. Die Chance, den zähen Seitwärtstrend zu beenden, wird jetzt größer. Noch ist es aber natürlich nicht so weit. Grund zur Freude haben wir Anleger erst oberhalb des Widerstands bei knapp 13.500 Punkten.

Eine wichtige Frage bleibt: was könnte den DAX beflügeln und jetzt den entscheidenden Schub auslösen, den Widerstand bei knapp 13.500 zu überrennen?
Grundsätzlich macht es wenig Sinn nach den Ursachen von Kursveränderungen zu suchen. Aber anregend ist es dennoch, da die Börse wieder einmal genau den Weg nimmt, der der Mehrheit der Anleger die größten Schmerzen bereitet.   
Aktuell ist es Konsens in den Medien, dass die Indizes von der Unsicherheit im Vorfeld der US-Wahlen ausgebremst werden. Groß ist die Sorge, dass der Ausgang der Wahl unklar sein wird und wochenlange Unsicherheit das Land lähmen könnte. Dabei sieht es heute aber so aus, als ob die großen Anleger genau davon nicht ausgehen. Vielmehr sind diese davon überzeugt, dass der Vorsprung von Joe Biden durch das „Corona-Schauspiel“ gewachsen und nun so groß ist, dass ein unklares Ergebnis unwahrscheinlich ist. Obwohl der Wahlsieg eines Demokraten vordergründig als  ungünstig für die Börse gilt (obwohl das statistisch nicht stimmt) sehnen sich die großen Investoren heute einfach nur nach einem klaren Ergebnis – egal wer gewinnen wird. Und genau dieses klare Ergebnis wird nun wahrscheinlicher, was die Börsianer zuversichtlicher werden und die Kurse steigen lässt.

Die folgende Grafikzeigt Ihnen den durchschnittlichen Verlauf des DAX in einem US-Wahljahr bezogen auf den Zeitraum 1956 bis 2008. Die beiden jüngsten US-Wahlen der Jahre 2016 und 2012 sowie wichtige Daten nach der Finanzkrise sind also nicht enthalten, was den Wert der Übersicht leider etwas schmälert.

US-Wahlzyklus deutet auf Bodenbildung im DAX

Trotzdem erkennen Sie gut, dass der Sommer eines Wahljahres im Durchschnitt überraschend günstig verläuft und die freundliche Entwicklung des vergangenen keine statistische Überraschung darstellt. Genau wie der nun fast hinter uns liegende schwache September. Steigende Kurse in den ersten Oktobertagen eines Wahljahres sind ebenfalls recht typisch, bevor dann allerdings ab Mitte Oktober eher wieder mit fallenden Kursen zu rechnen ist.

quelle: saisonalcharts.com

Falls sich der Verlauf des Dax im aktuellen Jahr sehr eng am zyklischen Wahlverlauf orientiert, müssen wir in den kommenden Tagen erneut mit schwächeren Kursen rechnen. Ein Angriff der Verkäufer auf die Unterseite des Seitwärtstrends wäre dann sogar typisch und zu erwarten.
Der Oktober des Wahljahres 2020 wird mit gewisser Wahrscheinlichkeit volatil bleiben, bevor im November das zyklische DAX-Tief zu erwarten ist.

Bitte bedenken Sie aber, dass das Jahr 2020 bisher viel stärker von Corona als von der Wahl geprägt wurde. Ausschläge nach oben wie unten im Widerstreit von hohen Infektionszahlen, der Erholung der Konjunktur und der Hoffnung auf einen Impfstoff sind weiterhin sehr wahrscheinlich. Im Gegensatz dazu sind unsichere Wahlen für erfahrene Investoren schon fast Routine –jedenfalls wenn der Wahlausgang hinterher von keiner Seite angefochten wird, was diesmal befürchtet wird. Auf Wahlen und Wahlprogramme kann sich jeder Investor gut einstellen und vorab Positionen auf- oder abbauen. Deshalb haben Wahlergebnisse an den Börsen meist nur vorrübergehende Auswirkungen.

Entsprechend dem Wahlzyklus, der selbstverständlich kein Drehbuch ist, befinden wir uns in der Nähe eines zyklischen Tiefs und es spricht wenig dagegen Positionen in starken Aktien und Sektoren aufzubauen bzw. zu erhöhen.

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