Bange machen gilt (noch) nicht

Hat nun die Korrektur begonnen – oder ware dies nur normale Gewinnmitnahmen?

Kürzlich war es wieder so weit.
Plötzlich knickten die Kurse ein und gaben immer mehr Gas auf ihrem Weg nach unten. 
Besonders betroffen waren die teilweise extrem heiß gelaufenen Werte an der Nasdaq. Auch am Freitag ging es erneut zur Sache, vor allem an der US- Börse. Dies alleine wäre in Anbetracht des ungewöhnlich dynamischen Kursanstiegs seit Ende März von mehr als 50 % keine große Sache. Wirklich bemerkenswert (?) ist allerdings, dass es hinterher wieder alle gewusst haben wollen – jedenfalls wenn man heute die einschlägigen Kommentare überfliegt.

Ganz offensichtlich ist einigen Investoren und Analysten der typische „Rückschaufehler“ nach Wirtschaftsnobelpreisträger Daniel Kahnemann unterlaufen. Demnach kommt es einem Anleger hinterher und nach dem Kursrutsch irrtümlich so vor, als wäre eine andere Entwicklung überhaupt nicht möglich gewesen. Dies ist natürlich nicht richtig. Genauso gut hätten die Indizes auch noch vier oder gar sechs Wochen weiter rennen können. Dies wäre zwar unwahrscheinlich, aber natürlich möglich.

Aber werfen wir zuerst einen Blick auf den gleichgewichteten S & P 500 Index, in dem jede Aktie gleich wichtig ist – unabhängig von ihrer Marktkapitalisierung. Ganz nach dem Motto „one man one vote“.  

Wie Sie sehen, ist bisher wenig spektakuläres vorgefallen. Noch nicht einmal ein Verkaufssignal wurde im besonnenen P & F Chart genreriert. Zunächst hat sich ein sehr positives Kaufsignal ereignet, als sich die positive aktuelle X-Achse (9 für September) bei 4.600 über die orhergehende schob. Der Duck der Käufer wurde also systematisch größer. Dann jedoch kippte sie Stimmung und der Ausbruch entwickelte sich zu einer unangenehmen Bullenfalle. Kurzfristige Trader, die das Signal gekauft hatten, deckten ihre Poitionen wieder blitzschnell ein und nahmen den noch kleinen Verlust mit. Großes Vertrauen in den Markt und Gelassenheit sieht anders aus.
Die aktuelle 0-Achse ganz rechts zeigt Ihnen, dass kurzfristig der Verkaufsdruck überwiegt und Kapital abgezogen wird. Mittel- und langfristig sind die Käufer aber überlegen.

Warum? Das Kaufsignal ist nach wie vor aktuell. Ein Verkaufssignal würde erst bei 4.000 Punkten ausgelöst. Genau dort wäre auch der Aufwärtstrend in Gefahr, dort verläuft heute die aufsteigende positive Unterstützungsgerade. Erst dort, also nach einer Konsolidierung von mehr als 12 % , kämen die Bullen wirklich unter Druck.
Bisher deutet vieles auf eine normale aber heftige Konsolidierung im langfristigen Aufwärts-trend. Ob sich daraus mehr entwickelt, kann heute nicht vorhergesagt werden. An der Börse ist jederzeit alles möglich, was wir in diesem Jahr schon zweimal erlebt haben.

Aber auch nach oben sollten wir natürlich flexibel sein. Oberhalb von 4.600 wird das Bild wieder sehr positiv und die Bulle wären mit einem weiteren Kaufsignal zurück im Spiel.  Wegen der hohen Liquidität und der Zinssituation ist die Wahrscheinlichkeit dafür gar nicht schlecht, denke ich.

Der Innere Markt ist kurzfristig unter Druck

Die folgende Grafik zeigt Ihnen den kurzfristig relevanten Risikoindikator des inneren Marktes, genauer gesagt die Relation derjenigen an der New Yorker Börse gehandelten Aktien, die oberhalb ihrer 50- Tage- Linie handeln.

Wie Sie sehen, befindet sich der Indikator bereits tendenziell seit Juni (Ziffer 6) unter Druck. In der vergangenen Woche hat sich eine ungünstige Null -Spalte gebildet. Das bedeutet, dass mehr als 6 % der notierten Aktien die wichtige Unterstützung ihrer 50- Tage- Linie verloren haben. Kurzfristig befindet sich der Markt unter Druck und es wird Kapital abgezogen, aus welchen Gründen auch immer.
Dies ist ein Warnsignal für uns Anleger, aber noch längst keine Katastrophe, da der Indikator insgesamt noch auf einem Kaufsignal und oberhalb seiner Unterstützungslinie notiert.
Insofern ist noch nicht besonders viel passiert an der US-Leitbörse.

Aber natürlich kann heute noch nicht gesagt werden, ob sich daraus noch mehr entwickelt und ob der Verkaufsdruck zunimmt.
Es schadet also nicht, seine Stopp-Limite zu überprüfen und enger zu ziehen (falls Sie mit Stoppkursen arbeiten). Ebenfalls ist die Gelegenheit günstig, Investitionen in schwachen Sektoren zu überdenken und nach Schnäppchen in starken Sektoren zu fahnden.
Genauso mache ich es natürlich auch im Premiumbörsenbrief.

Der Buffett-Indikator ist deutlich überhitzt

Bekanntlich hat kürzlich die Anlegerlegende Warren Buffett seinen 90. Geburtstag gefeiert.
Kein Wunder, dass in den Medien prompt einer seiner angeblich liebsten Indikatoren für den breiten Aktienmarkt diskutiert wurde. Ich spreche von der Relation der gesamten Marktkapitalisierung zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) eines Landes.
Gerne wird in den USA dafür der sehr breite Wilshire 5000 herangezogen.
Zur Berechnung wird die Marktkapitalisierung des Index durch das US-BIP geteilt. Liegt das Ergebnis unter 100 % ist der Aktienmarkt fair bewertet, bei einem Wert über 100 % soll der Aktienmarkt angeblich überbewertet sein.
Entsprechend offiziellen Angaben betrug das BIP im zweiten Quartal 2020 knapp 20 Billionen US-Dollar, die Kapitalisierung des Wilshire 5000 beträgt heute etwa 36 Billionen.  
Der Buffett-Indikator für die USA liegt dadurch auf einem Rekordwert von mehr als 180 Prozent und zeigt eine extreme Überbewertung der US-Börse an.
Angeblich liegt er noch höher als kurz vor dem Platzen der Technologieblase im Jahr 2000. Stehen wir daher nun erneut kurz vor einem Crash?
Selbstverständlich kann es jederzeit zu einem ausgewachsenen Börsenkrach kommen. Diesen zu prognostizieren ist aber höchst unseriös und auch mit dem „Buffett- Indikator“ nicht möglich. Denken Sie alleine an das Bonmot von John M. Keynes der sagte, dass Märkte länger irrational bleiben können als wir solvent.

Viel wichtiger ist aber zu bedenken, dass derartige Indikatoren in einer Rezession (wie jetzt)  nicht funktionieren. Denn bekanntlich blickt die Börse weit nach vorne, dass BIP ist aber eine Zahl der Gegenwart, streng genommen sogar bereits zum Zeitpunkt der Veröffentlichung veraltet.
Deshalb kommt dem beliebten KGV heute auch keine große Bedeutung zu, meiner Meinung nach. Viel wichtiger sind dynamische Faktoren, die das Gewinnwachstum betrachten.
Ebenfalls missachtet der Buffett-Indikator die heutigen Null-Zinsen, die Qualitätsaktien sehr attraktiv machen, vor allem wenn sie Zahlungsüberschüsse erwirtschaften.

Daher empfehle ich weiterhinin, vor allem bei Rückschlägen sein Engagement in Aktien auszubauen. Es gab immer schon Zeiträume, in denen Aktien überteuert schienen, sich dann aber doch die Realitäten wieder durch überraschendes Wachs-tum angeglichen haben. Sobald an den Märkten Luft abgelassen wird, sollte man auch zukünftig die Hände aufhalten. Bange machen gilt nicht, auch in Zeiten von Corona nicht.
PS: In die relativ betrachtet stärksten Firmen investieren wir im Premium Börsenbrief und natürlich auch im Rahmen meiner anderen Dienstleistungen.
Was muss ich also noch tun,damit Sie Kunde bei mir werden? Wenn Sie hier klicken, sind Sie sofort dabei.
 
 Viel Erfolg,
Ihr Klaus Buhl

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