Die Aufwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar wurde in den vergangenen Wochen durch mehrere politische Ereignisse kurzfristig gestoppt. Spanien hat mit der Unabhängig-keitserklärung Kataloniens eine gewaltige innenpolitische Krise zu lösen.
Die angestrebte Loslösung der Region von Spanien könnte aber auch ein Vorbild für weitere Autonomiebestrebungen in Europa sein und sorgt damit für ein angespanntes Klima innerhalb der EU.
Auch Deutschland hat durch die Bundestagswahl und deren Ausgang mit unklaren Machtverhältnissen zu einer ungewohnten Instabilität in Zentraleuropa beigetragen. Gleichzeitig wurden die von der Trump-Regierung in den USA vorgelegten Pläne zur Steuerreform von den Finanzmärkten gut aufgenommen. Von den Höchstkursen im Sommer um 1,20 US-Dollar fiel der Euro bis Anfang November auf 1,15 US-Dollar zurück. In den letzten beiden Wochen setzte der Euro aber wieder zur Erholung an und das trotz der geplatzten Jamaika-Koalition in Deutschland. Der Grund dafür liegt hauptsächlich bei den jüngsten Wirtschaftsdaten.

In den USA hat der nachlassende ISM-Index für ein sinkendes Vertrauen in die Fort-setzung der bisher guten Wirtschaftslage gesorgt. Der Industrie-Index ist als Frühindikator ein bewährter Hinweis in welche Richtung die Konjunktur verläuft. Die jüngsten Daten haben die Warnsignale an den Finanzmärkten aufleuchten lassen.
Der deutsche Finanzmarktdirektor des IWF, Tobias Adrian, hatte bereits Anfang des Jahres vor allzu großen Hoffnungen in eine weiter boomende US-Konjunktur gewarnt. Mit Argusaugen werden die Finanzmärkte deshalb die wirtschaftspolitische Reaktion der US-Regierung betrachten. Die bis dato gute wirtschaftliche Lage in Amerika war vor allem ein Erbe der demokratischen Regierung unter Präsident Barack Obama. Ob der neue Regierungschef Donald Trump einer beginnenden Rezession mit den richtigen Mitteln entgegenwirken kann, muss sich erst noch zeigen. Die bisherige Amtszeit Trumps und die internen Querelen im republikanischen Lager dürften die Zuversicht an den Finanzmärkten in Grenzen halten.
Auch die Ablösung der bisherigen Chefin der US-Notenbank Janet Yellen setzt den Dollarkurs weiter unter Druck. Die Unsicherheit über den geldpolitischen Kurs der amerikanischen Regierung mit dem neuen Fed-Chef Jerome Powell ist groß. Während Präsident Trump die lockere Geldpolitik von Janet Yellen in seinem Wahlkampfreden heftig kritisierte, lobte er sie zuletzt auffallend. Eine Fortsetzung der behutsamen Zinserhöhungen galt deshalb als wahrscheinlich, auch wenn Kräfte innerhalb der republikanischen Partei auf eine straffere Geldpolitik drängen. Auf der letzten Zinssitzung der Federal Reserve wurde aber die Besorgnis über eine zu schwache Inflation deutlich zum Ausdruck gebracht. Eine mögliche Reaktion darauf wäre die Zinsen weniger als geplant anzuheben. Dies könnte an den Devisenmärkten eine weitere Abwertung des US-Dollars gegenüber dem Euro zur Folge haben. Sollte die Federal Reserve die Leitzinsen im Dezember noch einmal anheben, erwarten die Marktanalysten des Forex-Handelshauses Weiss Finance bis Mitte 2018 keine weiteren Erhöhungen mehr.

Von der EZB gibt es hingegen keine Signale, die auf eine Änderung der lockeren Geldpolitik hindeuten. Das wird den vor zwei Wochen begonnenen Aufwärtstrend des Euro gegenüber dem Dollar auch in Zukunft tragen. Die Wirtschaftsindikatoren in der EU setzten ebenfalls positive Zeichen. Besonders aus Frankreich und Deutschland wurden positive Daten zum Konjunkturverlauf gemeldet.
Der Einkaufsmanagerindex für die Gesamtwirtschaft stieg um 1,5 Punkte und steht mit 57,5 Punkten so hoch, wie seit über sechs Jahren nicht mehr. Eine baldige Stabilisierung der innenpolitischen Lage in Deutschland und Spanien würde dem Euro einen zusätzlich-en Schub verleihen.